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Peter Dienel
Porträt eines Pioniers
«Ich werde
Dir etwas zeigen» sagt mir Professor
Dr. Peter C. Dienel, und nimmt einen Flyer aus der Innentasche
seiner Jacke. Drauf ist zu lesen: „Wenn Du ein glückliches Leben
führen willst, verbinde es mit einem Ziel.“ Albert Einstein.
„Siehst du“,
fährt er fort, „Albert Einstein hatte Recht“. Zwei Stunden mit Peter
Dienel lassen die Idee Einsteins zur Wirklichkeit werden. Mit 82
Jahren scheint er zufrieden und ausgeglichen, er verfolgt weiterhin
sein Ziel: Die von ihm erfundene Planungszelle muss in Deutschland
und Europa zu einem regelmäßig genutzten Werkzeug der Politik
werden.
Die
Planungszelle wurde bereits 1970 von Peter Dienel, der zu diesem
Zeitpunkt Mitglied des Planungsstabs der Staatskanzlei des Landes
NRW war, entwickelt. Während dieser Tätigkeit bedrückte ihn der
katastrophale Zustand der politischen und dann bürokratischen
Entscheidungsprozesse: Sie waren nicht an den dringenden
Langfrist-Fragen orientiert, sondern konzentrierten sich immer
wieder auf die kurzfristig lösbaren Probleme. Als Antwort auf dieses
Defizit erarbeitete Dienel das Konzept der „Planungszelle“(PZ). Die
PZ ist eine Form der Beteiligung des Bürgers an den politischen
Entscheidungsprozesse. Allerdings sollte die PZ zunächst nicht die
Partizipation der BürgerInnen ermöglichen, sondern die politischen
Entscheidungsprozesse von privaten und eigennützigen Interessen
befreien und kompetente, deutlich im Gesamtinteresse liegende
Entscheidungen zuwege bringen. Das aus dieser Zielsetzung
entstandene Modell erwies sich als genial.
Die „Planungszelle“ definiert Dienel als „eine Gruppe
von 25 nach einem Zufallsverfahren ausgewählten BürgerInnen, die aus
erster Hand informiert - und assistiert von 2 Prozessbegleitern -
Lösungen für ein ihnen vorgegebenes, als schwer lösbar geltendes
Problem erarbeitet. Diese Zufalls-Juroren werden für vier Tage von
ihren arbeitstäglichen Verpflichtungen freigestellt und für diese
Zeit vergütet
Aus
dieser Definition ergeben sich neun Charakteristika der
Planungszelle: Das erste ist die Gruppenarbeit. Die vier Tage
dauernde „PZ“ tritt ständig in Fünfer-Gruppen auseinander, deren
Zusammensetzung immer wieder wechselt. Dadurch, dass jeder mit jedem
zusammenarbeiten muss, entsteht eine starke Gruppendynamik und eine
hohe Kreativität. Dabei kann sich aber keine durchgehende
Meinungsführerschaft bilden.
Das
zweite Merkmal ist das Rollenangebot: Die Teilnehmer agieren während
der vier Tage als Experten (sie treffen die Entscheidungen), vor
allem aber als „Bürger“ ihres Staates. Sie informieren sich,
versuchen dabei objektiv zu bleiben, legen Wert auf die Kooperation
und identifizieren sich dann mit den Ergebnissen der Gruppe. Sie
arbeiten nämlich einem Bürgergutachten zu, in dem die Ergebnisse
ihrer Planungszelle festgehalten werden.
Die
dritte Besonderheit ist die Vergütung. Dieses Merkmal ist eng mit
dem vorherigen verknüpft und unterscheidet die Planungszelle von den
meisten anderen partizipativen Verfahren. Die BürgerInnen werden
hier für ihre Tätigkeit entschädigt. So wissen sie, dass sie ernst
genommen werden und ihre Arbeit „wertvoll“ ist. Durch die Bezahlung
der Juroren wird ihre Arbeit mit der von Politikern[1]
und Experten, die gewöhnlich die Entscheidungen treffen,
gleichgesetzt. Die Bezahlung ist außerdem dafür hilfreich, Menschen
anzusprechen, die normalerweise nicht politisch aktiv sind. Doch
allein die Vergütung der Arbeitszeit reicht nicht aus, Menschen
wirksam in den Entscheidungsprozess einzubinden.
Die
vierte Eigenschaft der PZ ist daher die Freistellung der Teilnehmer
von ihren täglichen Verpflichtungen zu diesem „politischen
Erlebnisurlaub“ (Peter Dienel). Für Personen, die Kinder zu hüten
oder ältere Familienangehörige zu pflegen haben, kann für die Zeit
der PZ eine Betreuung gestellt werden.
Die fünfte
Charakteristik von Dienels Konzept ist die zeitliche Begrenzung der
Veranstaltung auf vier Tage. Durch diese Begrenzung wird zum einen
die Neutralität der Juroren abgesichert. Zum anderen dient dieses
Limit dem Rotationsprinzip: Möglichst viele Bürger sollen an dem
(problemlos vermehrfachbaren) Projekt „Planungszelle“ teilhaben
können, jeder soll „regieren und regiert werden“.
Das sechste
Erkennungszeichen der Planungszelle ist die Art und Weise, wie die
teilnehmenden BürgerInnen ausgewählt werden. Dienel entschied sich
1970 für die Auswahl im geordneten Zufall. Dieses Verfahren war laut
Dienel „vernünftig“. Es vermeidet, im Unterschied zu Verfahren wie
der Wahl oder der freiwilligen Partizipation, den Durchgriff von
partiellen oder privaten Interessen. Das Losverfahren garantiert
außerdem eine hohe Repräsentativität. Diese öffnet dann auch für
sehr unterschiedliche soziale Positionen eine Möglichkeit, endlich
mal zusammenzuarbeiten und sich so kennen zu lernen.
Darüber hinaus steht dieses Verfahren für
den demokratischen Grundsatz der Gleichheit aller.
Das siebente
Merkmal der PZ ist die Arbeit mit Laien. Die so genannten
Bürgerexperten werden ja nicht nach ihrer Kompetenz sondern per
Zufall ausgewählt. Diese Vorgehensweise impliziert, dass jeder
Bürger kompetent ist, die gestellten Probleme zu lösen und so „seine
Umwelt selber zu planen“ (Peter Dienel).
Die
BürgerInnen erhalten bei dieser Aufgabe von zwei Seiten
Unterstützung. Zum einen helfen die Experten und zum anderen die
Prozessbegleiter. Die Prozessbegleiter sind für die Organisation der
praktischen Aspekte der PZ verantwortlich. Sie besorgen den
notwendigen Raum, planen den zeitlichen Rahmen und sind am Ende für
die Redaktion des Bürgergutachtens verantwortlich. Die Experten
stehen für die Rückfragen der BürgerInnen zur Verfügung, nachdem sie
diesen zunächst ihre Expertise oder auch die Sichtweise ihrer
Interessenposition vorgestellt haben.
Die
neunte und letzte von Peter Dienel definierte Charakteristik einer
Planungszelle ist die Erarbeitung einer vorgegebenen
Aufgabenstellung. Die Bürger können also nicht das Thema, über das
sie arbeiten sollen, auswählen. Es wird ihnen vorgegeben.
Diese
neun Elemente, die sich aus Dienels Definition der Planungszelle
ergeben, haben sich in der über 30jährigen Praxis dieses Modells
bewährt. Allerdings sind zu Beginn des Projektes auch viele Probleme
aufgetreten. „Während der Testphase hatten wir z. B. Probleme mit
der Ausstattung des Tagesablaufes“ sagt Dienel. „Die Idee der
Arbeitsgruppe mit fünf Leuten ist erst später aufgetaucht“. Aber:
„Jetzt existieren feste Regeln“. So wehrt sich Professor Dienel bis
heute dagegen, für die Industrie zu arbeiten: „ Ich habe am Anfang
mehrfach die Möglichkeit gehabt, das hier mit der Industrie zu
machen. Ich habe das aber immer abgelehnt, weil ich der Meinung bin,
dass unser Wirtschaftssystem schon dominant genug ist“. Die
Konsequenz ist, dass der Pionier der Planungszelle ausschließlich
für öffentliche Auftraggebern arbeitet. Diese Einstellung spiegelt
Peter Dienels Weltanschauung wieder: Die nur „repräsentative“
Demokratie ist nicht mehr funktionsfähig. Daher müssen heute
dringend weitergehende „einfache und preiswerte“ Lösungen gefunden
werden. Eine von ihnen heißt Planungszelle.
Dienel
kann sich an keine schwierigen Momente erinnern. Er war „von der
Richtigkeit der Sache überzeugt…Ich war besoffen von der Idee der PZ
und davon, sie voranzubringen, to push it“. Mit seiner Idee
der Planungszelle war er 1970 seiner Zeit mindestens 20 Jahre
voraus. Noch heute wird sie als unkonventionelles Werkzeug
betrachtet. Aber Dienel glaubt an ihre Zukunft, für die
Vergangenheit interessiert er sich kaum: „Ich habe keinen Wert auf
Selbstdokumentation gelegt.“ Er denkt an morgen: „Wenn zehntausende
von Planungszellen pro Jahr stattfinden werden und Millionen von
Menschen daran teilnehmen werden“, ist er seinem Traum wohl ein
Stück näher gekommen.
Im Duden
wird „Pionier“ als ein Mensch definiert, „der sich einer ungewohnten
Aufgabe widmet und der neue Wege öffnet, ein Wegbereiter.“ Und
Professor Dienel hat den Weg der partizipativen Demokratie eröffnet.
Er hat hartnäckig und beharrlich für seine Idee gekämpft und Teile
seines Ziels verwirklicht. Das Konzept der Planungszelle wurde und
wird erfolgreich genutzt: Seit 1978 wurden weit mehr als 300
Planungszellen organisiert, an denen mehr als 8000 Zufalls-Juroren,
zumeist 4 Tage lang, teilgenommen haben. Diese hohe Zahl
bürgerschaftlicher Beratung ermöglicht eine Serie von empirischen
Befunden, die Dienel bereits in seinem 1978 erschienenen Buch „Die
Planungszelle“ vorhergesehen hatte. Diese Befunde beziehen sich in
erster Linie auf die Bürger, aber auch auf das politische System.
Die
Teilnahme an einer PZ eröffnet dem Bürger seinen Anteil am
Staat, an der Volksherrschaft, an der Demokratie. „Die Planungszelle
ermöglicht es den Teilnehmern, ihre Rolle als Bürger zu spielen“,
eine Funktion, die heute normalerweise von den professionellen
Politikern, den „Berufsbürgern“ wahrgenommen wird. Für Dienel folgt
aus diesem Ernstnehmen der Souveränität, dass „die Demokratie wieder
funkelt“. Er beobachtet weitere Auswirkungen auf die Individuen:
Bürger werden „aktiviert“, wenn sie einmal gesehen haben, dass sie
Einfluss ausüben können. Wer einmal an einer PZ teilgenommen hat,
kann, so Dienel, nicht mehr aufhören, sich in die Politik
einzumischen: „Ich kriege Briefe und Anrufe von Leuten, die Gruppen
gebildet haben. Die blühten auf“. 1996 wurde in der Stadt Hannover
eine Reihe von Planungszellen (300 Zufalls-Juroren) mit der Aufgabe
betraut, den öffentlichen Nahverkehr der Stadt zu erneuern. Nach
dieser Beratung haben ca. 80 der PZ-Teilnehmer eine Initiative
gegründet, die die Umsetzung ihrer Entscheidungen beobachten soll.
Dieser Effekt der Partizipation zeigt, dass die Menschen eigentlich
nicht passiv sind sondern heute nur passiv gehalten werden. Der
dritte Aspekt, den Dienel beobachtet, ist: PZ-Teilnehmer lernen
nicht nur, in Gruppen zu arbeiten. Sie treffen auch auf Vertreter
von anderen sozialen Schichten und stellen gemeinsam fest, dass es
Interessen gibt, die über ihre eigenen, persönlichen Interessen
hinausgehen. Sie fangen plötzlich an, das „Gemeinwohl“ zu erkennen
und zu wollen.
Verlässt man
die Mikroebene, kann man feststellen, dass die PZ sich auch auf das
soziale System als Ganzes auswirkt. Die Auswahl der
Teilnehmer nach dem Zufallsprinzip ermöglicht besser als jede andere
Form der Partizipation eine realistische Repräsentation der gesamten
Bevölkerung. Dies soll anhand eines konkreten Beispiels illustriert
werden: 2001 wurden im Bundesland Bayern Planungszellen mit 425
Teilnehmern zu Problemen des Verbraucherschutzes durchgeführt. Von
diesen Laien-Juroren waren 55% Frauen. Das entspricht relativ genau
der Bevölkerung Bayerns, die sich zu 52% aus Frauen zusammensetzt
(s. Abb.). Im Unterschied dazu, sind nur 26% der Landesabgeordneten
bzw. 20% der Bundestagsabgeordneten Frauen. Das Losverfahren
ermöglicht also Partizipation, ohne geschlechtliche
Untergleichheiten zu vertiefen.
Die Lösungen und Vorschläge der BürgerInnen sind
rational und vor allem gemeinwohlorientiert. Der Gruppenprozess und
die Arbeit als vergütete Experten führt dazu, dass die Bürger die
beste Lösung zu finden suchen. Das Beispiel der Autobahn
„Urbina-Maltzaga“ im spanischen Baskenland zeigt, dass die PZ dabei
zu sehr guten Ergebnissen kommt. Bei der Planung dieser Autobahn
sollte unbedingt das Fiasko des zuvor geplanten Streckenabschnitts
„Leizaran“ verhindert werden. Damals wurde die Strasse von „oben“
geplant und dann unter hohen Kosten, trotz einer Vielzahl von
gewalttätigen Protesten, so durchgesetzt. Der Abschnitt
„Urbina-Maltzaga“ wurde dagegen zunächst in Planungszellen von 350
Zufalls-Bürgern aus den anliegenden Städten und Landkreisen
diskutiert. Die Vorschläge dieser Planungszellen (NIP = Nucleos de
Intervencion Participativa) wurden von der Bevölkerung akzeptiert
und dann ohne Probleme realisiert. Dieses Ergebnis zeigt, inwiefern
Partizipation zu guten und legitimen Lösungen führen kann. Vor
diesem Befund kann man der folgenden Aussage von Dienel nur Glauben
schenken: „Die massenhafte Benutzung [des Modells] wird eine völlig
neue politische Kultur ermöglichen“.
   
Ebenso
glaubhaft erscheint Dienel, wenn er eingesteht: „Ich habe aber viel
Zeit auf das Projekt verwendet. Meine Kinder haben ihren Vater fast
gar nicht gesehen“. Sein Lebenswerk war und ist für ihn „die
Planungszelle“, die er auf Kosten seines Privatlebens entwickelt und
ausgearbeitet hat. Auf die Frage, ob er sich als Pionier der
partizipativen Demokratie sieht, antwortet er bescheiden: „Das ist
mir egal.“ Wichtig ist ihm, dass die Menschen dieses Modell
entdecken und benutzen. Von Schwächen des Modells spricht Dienel
selten. Es gibt aber durchaus Punkte, die an der PZ kritisiert
werden können, z. B. die hohen Kosten, die Exklusivität der
Teilnahme oder die Vorgabe des Problems.
Eine PZ
kostet bis zu 30.000 Euro. Das heißt, dass ein Projekt mit vier
Planungszellen bis zu 120.000 € kostet, bei acht PZ bis zu 240.000€.
Auf den ersten Blick, scheint die Planungszelle also ein sehr teures
Unterfangen. Allerdings müssen die Kosten einer Planungszelle mit
denen der traditionellen politischen Entscheidungsprozesse
verglichen werden. Ein Problem an dieser Stelle ist, dass man gar
nicht weiß, wie viel eine solche Entscheidung kostet. Ein Vergleich
scheint daher schwierig. Aber schon eine einfache Berechnung könnte
das Kostenproblem „entmystifizieren“: Im Jahre 2002 hat das
französische Parlament 741 Millionen € „gekostet“ (461 Millionen €
für die Volksvertretung und 280 Millionen € für den Senat). In
diesem Zeitraum hat das französische Parlament 122 Gesetze
verabschiedet. Mit 741 Mio € könnte man allerdings auch mindestens
24.700 Planungszellen durchführen und damit 24.700
gemeinwohl-orientierte Entscheidungen treffen.
Die
Exklusivität der Teilnahme wird auch kritisiert. Das muss
ebenfalls relativiert werden. In der Vorbereitungsphase eines
PZ-Projektes werden alle erkennbaren Vertreter der relevanten
Interesse eingeladen (Vereine; politisch Aktive; Experten;
Betroffene). Sie haben hier die Möglichkeit, ihre Standpunkte
einzubringen, und treten später als Referenten in der entsprechenden
Arbeitseinheit einer PZ auf. Dort wird immer kontrovers informiert,
d.h. man braucht für jedes der angesprochenen Probleme 2 Vertreter
unterschiedlicher Interessen. Gleichzeitig wird die Auswahl der
Teilnehmer per Zufallsprinzip durchgeführt. Auf diese Weise ist
sichergestellt, dass alle sozialen Schichten in der Planungszelle
vertreten sind. Eine solche Repräsentativität wäre bei einer
freiwilligen Beteiligung nicht gegeben, - und alle haben hier die
gleiche Chance gehabt.
Die letzte
Kritik bezieht sich auf die Themenauswahl. In der Tat steht
den Teilnehmern einer PZ keine Themen-Selbstbedienung zu. Ihre
Aufgabe wird ihnen vorgegeben. Die Vielzahl ungelöster, aber
miteinander zusammenhängender Probleme ist als solche nämlich gar
nicht bearbeitbar. Hier kann nur arbeitsteilig vorgegangen werden.
Über die Abgrenzung eines solchen Problemausschnittes hat deswegen
der unabhängige Durchführungsträger des PZ-Projektes vorab mit dem
öffentlichen PZ-Auftraggeber gesprochen und notfalls solange
verhandelt, bis man sich auf eine Definition das anstehenden
Problems einigen konnte, die in der bezahlbaren Zeit mit Aussicht
auf Erfolg bearbeitet werden kann. Erst dann kann ein PZ-Projekt
beginnen. Kritiker fürchten, dass durch eine Themenvorgabe die
Souveränität der Teilnehmer zur Augenwischerei wird. Dienel
antwortet, dass die genannten konkreten Gründe gegen eine freie
Auswahl der Thematik sprechen. Um Planungszellen erfolgreich und
unparteiisch arbeiten zu lassen, benötigen sie eine lange
Vorbereitung. Das Thema kann also nicht einfach am ersten der vier
Arbeitstage ausgewählt werden. Allerdings gesteht Dienel ein, dass
später, wenn das Modell verstärkt genutzt werden wird, man durchaus
auch einzelne „Themenfindungs-Planungszellen“ organisieren wird, die
dann Vorschläge für die Definition von Aufgabenstellungen zu
erarbeiten haben und das auch leisten werden.
Nach
einem mehrstündigen Gespräch mit Professor Dienel beantwortet sich
die Frage, ob die Utopie „Planungszelle“ realisierbar ist, fast von
selbst: „Ob die möglich ist? Ja, warum nicht?“. Dann fährt Dienel
fort: „Die Demokratie ist ein sehr gewagter Versuch, und was wir
machen, ist ja ein Stück Realisierung der Demokratie“. Ein großes
Stück sogar. Und die Frage der Nachfolge stellt sich der 82 Jährige
nicht: „Die Zeit, einen Nachfolger zu suchen, habe ich nicht
gehabt“. Aber Dienel macht sich um sein Projekt keine Sorgen: „Das
werden Leute aufgreifen.“ Er hat nur den Weg geöffnet.
Berlin, den 26 Juni 2005
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